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Silage

Für eine gute Silage

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am Mittwoch, 06.04.2022 - 11:30

Der fehlende Regen und die Kälte verzögern das Wachstum auf dem Grünland. Bald wird’s wärmer, und dann kann es schnell gehen: In Kürze steht der 1. Schnitt an. Bei Silage gilt: Gut verdichtet ist halb gewonnen.

In Kürze ist es in den meisten Regionen wieder soweit, der erste Schnitt wird abgeräumt. Es ist die Chance, vieles richtig zu machen. Das gilt für alle Schnitte, besonders aber bei der Silage, die im Laufe des Sommers oder im Herbst geöffnet wird und damit noch nicht so stabil ist wie eine Silage, die schon ein dreiviertel Jahr unter der Folie liegt und bei niedrigen Temperaturen verfüttert wird. Frische Sommersilage bestraft jeden Fehler doppelt.

Ein Hauptgrund für die ›Probleme danach‹ ist die unzureichende Verdichtung: Die Erntemaschinen werden immer leistungsfähiger, gerade die Häcksler räumen richtig was weg und sie müssen in der Spitzenzeit möglichst ohne Unterbrechung laufen. Wenn dann ein Erntewagen nach dem anderen vollbeladen am Silo ankommt, hat die Person auf dem Walzschlepper eigentlich schon verloren. Genauer gesagt hat der Landwirt verloren, der sich drei Monate später am Silostock die Finger wärmt.

Bei optimaler Verdichtung tritt die Milchsäurebildung schneller ein und Fehlgärungen werden vermieden. Wenn ein gut verdichtetes Silo geöffnet wird, kann auch weniger Luft über die Anschnittfläche in den Silostock eindringen. Einige Regeln zur Verdichtung:

  • Der Walzschlepper ist noch nicht da, aber einige Ernte- oder Ladewägen sind schon voll – kann man schon abkippen, bevor festgefahren wird? Das ist gefährlich, weil so die Tiefenwirkung beim Festwalzen nicht mehr erreicht wird.
     
  • Ähnlich ist es bei zu großen Schichten im Stock: 40 cm, das packt der Walzschlepper schon. Oder? Packt er eben nicht. Empfohlen wird eine Schichtdicke von 15 bis höchstens 20 cm, wohlgemerkt nach dem Abladen und im ungewalzten Zustand. Dabei gilt: Je älter und trockener das Siliergut ist, desto dünner sollte die Schicht sein.
     
  • Je älter und trockener das Siliergut ist, desto kürzer sollte es auch sein. Die heutigen Ladewägen sind mit vielen Messern ausgestattet und schneiden kürzer als ihre Vorgänger, sofern die Messer scharf genug sind. Noch kürzer geht es mit dem Häcksler mit tatsächlichen Häcksellängen von 3 bis 4 cm. Für viele Landwirte ist schon das schnellere und leichtere Mischen nach der Entnahme Grund genug, häckseln zu lassen. Zusätzlich erreicht man damit eine bessere Verdichtung und so stabilere Silagen.
     
  • Immer langsam: Beim Festfahren ist Schnelligkeit verboten, empfohlen werden höchstens 3 bis 4 km/h. Ein zu langes Nachwalzen ist nicht zu empfehlen, durch die Rückfederung des Siliergutes gibt es einen Pumpeffekt und am Ende hat man mehr Luft im Silostock.
     
  • Für die angestrebte Verdichtung gibt es eine Formel: 3,5 × TM-% + 90. Das bedeutet: Bei einer Silage mit 40% Trockensubstanz sollte die Verdichtung bei 230 kg TM/m3 liegen. 

Kein Leichtgewicht aufs Silo

Wer schwer sollte ein Walzschlepper sein? Auch das kann man ausrechnen, und zwar in Abhängigkeit von der Bergeleistung in Tonnen Frischmasse. Die Faustformel lautet: Walzschleppergewicht = Bergeleistung in t FM pro Stunde x 0,25 (bei Ladewagengut x 0,33).

In der Praxis sieht es oft so aus: Ein Teil der Ernteflächen ist in Hofnähe, und da kommt richtig viel Material in kurzer Zeit zum Silo. Bei den weiter entfernt liegenden Wiesen verzögert sich die Anlieferung, oft auch dann, wenn man versucht sie über die Anzahl der Ernte- oder Ladewägen zu steuern. Deshalb: Die hofnahen Flächen zuerst zu einzufahren und die weiter entfernt liegenden oben in den Silostock einzubringen gibt dem Walzschlepper gerade in der ›gefährlichen‹ oberen Hälfte des Silos mehr Zeit.

Im Sommer und bei hohen Temperaturen wird das später geerntete Siliergut schnell zu trocken. Das gilt es besonders in der oberen Hälfte des Silos zu vermeiden. Dort gibt es meist mehr Probleme mit Nacherwärmung und eine gute Verdichtung ist besonders wichtig. Das Abtrocknen kann der Landwirt verhindern, indem er die Wiesen, von denen das Gras oben im Silo landet, später mäht und nicht oder weniger stark wendet. Auch das rechtzeitige Schwaden und eine entsprechende Schwadgröße verlangsamen ein weiteres Abtrocknen.

Nicht zu trocken

Im 1. Schnitt bei hohen Erntemengen und noch nicht so hohen Temperaturen ist die Gefahr eines zu trockenen Siliergutes gering. Im Gegenteil, hier ist ein Wenden oft notwendig, um ein Anwelken zu ermöglichen und damit verunreinigtes und zu nasses Siliergut zu verhindern, das zu einer unerwünschten Buttersäuregärung führt.

In den Folgeschnitten bei hohen Temperaturen, milden Nächten und weniger ›Material‹ hingegen geht ein zu starkes Abtrocknen rasend schnell. Dabei hat der TS-Gehalt mit den größten Einfluss auf die Verdichtung und die Silagequalität. Bei einem TS-Gehalt von 30 bis 35 % lässt sich die Silage gut verdichten, ab 40 % wird es kritisch und oberhalb von 45 oder gar 50 % ist eine ausreichende Verdichtung nicht mehr möglich.

Eine schlechte Verdichtung zu riskieren ist immer der schlechteste Weg. Wer bei einem Schnitt zwei Silos befüllt, könnte zwei Walzschlepper organisieren und die Silos parallel anstatt nacheinander befüllen. Die Silokette kann dann mit gutem Gewissen ›Vollgas‹ geben und trotzdem ist eine gute Verdichtung gewährleistet. Wenn Silage vom ersten Schnitt bereits im Sommer gefüttert wird, ermöglicht eine Aufteilung auf zwei Silos auch mehr Vorschub bei der Entnahme, die im Sommer bei mindestens 2,5 m (Winter 1,5 m) pro Woche liegen sollte. Schließlich gibt es noch Siliermittel, die Silage stabiler macht, die bald verfüttert wird. Wir wünschen eine gute Ernte, gesunde Kühe und viel Milch im Tank.