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Milchmarkt und Milchpreise

Milchpreise höher als Biomilch-Preise – verkehrte Welt?

Milchkuh.
am Dienstag, 21.06.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Erste Molkereien zahlen für konventionelle Milch höhere Preise als es im Bundesmittel für Biomilch gibt. Das hat es zuvor noch nie gegeben. Bislang sind es nur wenige Molkereien und die meisten konventionellen Preise sind niedriger als die Biopreise. Doch der Abstand schmilzt von Monat zu Monat.

milchpreise.

In den nächsten Monaten könnten es noch mehr Molkereien werden, die ihren konventionellen Milchbauern höhere Preise zahlen als die Biobauern im Bundesmittel für ihre Milch bekommen. Der Grund: Die finanzielle Verwertung der konventionellen Rohmilch über die verkauften Milchprodukte erlaubt weitere kräftige Preisanstiege.

Bei Biomilchprodukten könnte die Luft nach oben deutlich dünner sein. Dort erfolgt die Verwertung stärker über Frischmilchprodukte, deren Höchstpreise oft schon ausgereizt sind oder wo weitere Preisaufschläge zu einer Reduzierung des Konsums und der Nachfrage führen. Bei den konventionellen Produkten kommt zwar auch ein Teil des Preisanstiegs aus dem Frischesortiment, jedoch liegen die Preise hier in der Regel noch unter den Preisen für Bioprodukte.

Bei Butter, Milchpulver und anderen konventionellen Produkten, die zum einen von Industrie benötigt werden und zum anderen auf die sehr gut bezahlten Exportmärkte fließen, ist hingegen eher noch Luft nach oben. Das zeigt jedenfalls der Rohstoffwert des ife-Instituts aus Kiel, der aus den Preisen von Butter und Magermilchpulver gewissermaßen auf den Milchpreis zurückgerechnet wird.

Hier ergibt sich für den Monat Mai ein Rohstoffwert von 66,5 Cent. Das ist zwar etwas weniger als im April, als der Index auf rekordhohe 67,5 Cent geklettert war, der Abstand zu den höchsten konventionellen Preisen ist jedoch immer noch sehr groß und bietet für die nächsten Monate reichlich Spielraum für weitere Preiserhöhungen.

Ein Dutzend Molkereien zahlt mehr als 50 Cent

Molkereien mit konventionellen Preisen, die über den durchschnittlichen Biomilchpreisen liegen, verkaufen offenbar vor allem an die Industrie und für den Export. Diese Unternehmen befinden sich außerdem ganz überweigend im Norden Deutschlands. Dort haben im Mai mindestens 13 Molkereien!! mehr als 50 Cent an die konventionellen Bauern ausgezahlt – in der Spitze waren es 57 Cent.

Für Biomilch meldete die Bundesanstalt für Landwirtschaft im April im Bundesmittel Preise von reichlich 54 Cent. Wenn die Biopreise im Mai ähnlich moderat gestiegen sind wie im April, dürften sie bei rund 55 Cent liegen – und damit hinter den norddeutschen Spitzenpreisen zurückbleiben und gleichzeitig mit drei oder vier konventionellen norddeutschen Molkereien gleichauf liegen.

Fakt ist außerdem: Auch die Biomilchpreise befinden sich derzeit auf Rekordstand. Doch die Verwertungssituation ist eine andere und höhere Preise für Premium-Frischeprodukte sind nur noch bedingt möglich. Das merken auf andere Weise auch die konventionellen Molkereien im Süden, die bis auf eine Ausnahme im Mai bei Auszahlungspreisen unter 50 Cent bleiben.

Dabei war es in der Vergangenheit genau umgekehrt. Die höchsten und vergleichsweise stabilsten Preisen zahlten die Molkereien im Süden, mit der höchsten Verwertung in Hartkäse, Camembert, Mozzarella und ähnliche hoch veredelte Produkte. Nun lassen sich im Einzelhandel Preiserhöhungen für dieses Sortiment offenbar deutlich langsamer durchsetzen als beim Rohstoffverkauf gegenüber der Industrie oder im Export.

Auch im Westen und im Osten Deutschlands zahlen die konventionellen Molkereien bis Mai keine Preise über 50 Cent und liegen damit unterhalb der Biopreise.

Konventionelle Preise steigen viel schneller

rohstoffwert der milch.

Fakt ist auch: Der Preis-Abstand zwischen Biomilch und konventioneller Milch ist enorm zusammengeschmolzen. Waren es im Bundesmittel im April des vorigen Jahres (2021) noch rund 15 Cent Preisabstand, hatte sich die Differenz bis April 2022 im Bundesmittel auf 5,7 Cent verringert und sie dürfte weiter zusammenschmelzen, wie der Rohstoffwert von Mai mit 66,6 Cent deutlich macht.

Für die nächsten Monate bleibt die finanzielle Verwertung der Rohmilch – oder anders gesagt, die Preise für die Leitprodukte am Milchmarkt - sehr gut. Der aus den Terminmarktpreisen von Butter und Milchpulver errechnete Börsenmilchwert des ife-instituts liegt bis zum Jahrendes 2022 zwischen knapp 66 Cent und 63 Cent. Und auch danach fallen die Börsenmilchwerte nicht unter 60 Cent.

Das bedeutet: Noch etliche konventionelle Molkereien dürften ihre Auszahlungspreise in den nächsten Monaten über 50 Cent anheben. Zwar werden auch die Biomilchpreise weiter steigen, aufgrund der anderen Produktpalette und Marktstruktur jedoch langsamer als die konventionellen Preise. Das zeigt auch die Entwicklung seit dem vorigen Jahr: Bei Biomilch ginge es in den letzten 12 Monaten um 5,3 Cent nach oben – bei konventioneller Milch stiegen die Preise um 13,3 Cent – also fast dreimal so schnell.

Milchpreise nach Molkereien auf agrarheute

Auszahlungspreise der Molkereien finden sie unter: https://www.agrarheute.com/markt/milch/auszahlungspreise-molkereien-543167

Außerdem die monatlichen Durchschnittspreise im Bundesmittel und die aktuellen Preise für Milcherzeugnisse.

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