Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Kommentar

Wassermangel: Nicht auf die Landwirte zeigen!

Wassermangel
am Samstag, 18.06.2022 - 07:00 (2 Kommentare)

Der Verteilungskampf um Wasser ist in vollem Gang. Gern verweist man da auf die Landwirtschaft. Doch Bauern sind nicht die großen Verschwender. Spart an der richtigen Stelle!

Die Hitze ist wieder einmal da, während der Regen fehlt. Schnell ist ein Schuldiger gefunden: Die Landwirtschaft braucht am meisten Wasser heißt es; 69 Prozent des Verbrauchs schlucken Kulturen und Tierhaltung. Somit kommt man an Landwirtschaft nicht vorbei, wenn man über die knappe Ressource redet. Und so sehen Problemlöser aus Politik und NGO auch immer wieder die Landwirtschaft als entscheidene Stellschraube.

Doch genauso wenig wie Landwirtschaft am Klimawandel Schuld ist, kann man deutsche Landwirte als die großen Wasserverschwender an den Pranger stellen. Denn die fast 70 Prozent beziehen sich auf die ganze Welt. Auf Deutschland bezogen, verbrauchen Land- und Forstwirtschaft gerade einmal zwei Prozent. Das entspricht einem Schnapsglas voll von einem Liter. Andere Branchen nehmen viel größere Schlücke aus der Pulle. Und denen sagt man noch „Prost“.

Konflikte um Wassernutzung nehmen zu

Trockenheit und Dürren sind längst Probleme, die auch Deutschland betreffen. Trotz der Tatsache, dass wir als wasserreiches Land gelten, haben viele Regionen auch dieses Jahr mit Wassermangel zu kämpfen. Es ist längst nicht mehr die brandenburgische Streusandbüchse, der Regen fehlt vielerorts seit Jahren in ausreichender Menge. Wasser ist in Franken knapp, in der Rhein-Main-Region, sogar im südlichen Niedersachsen. Die Karten zur Bodenfeuchte kommen aus dem Rot kaum heraus.

Und damit nehmen auch die Streitigkeiten zu. Das Journalisten des Recherchezentrums Correctiv haben 350 Verfahren zu Wasserkonflikten in der juristischen Datenbank Juris ausgewertet. Wenig überraschend: Die Konflikte nehmen zu. Doch wer soll verzichten? Wem kann man zuerst den Hahn abdrehen?

Industrie gräbt der Gesellschaft das Wasser ab

Schnell ist man sich einig: Trinkwasser für private Haushalte abzustellen, geht gar nicht. Aber die Landwirte, die könnten doch sparen. Dabei vergisst man schnell, dass weniger als drei Prozent der Kulturen überhaupt bewässert werden. Zudem leistet Landwirtschaft sehr viel für die Neubildung von Wasservorräten. Die großen Verschwender sind in der Industrie. Und nicht nur das: Deren Wasserentnahmerechte sind atemberaubend unverschämt und zum Teil komplett aus der Zeit gefallen.

Prominentes Beispiel ist Tesla. Während Landwirte in Brandenburg um jeden Tropfen betteln, kann ein Unternehmen einer ganzen Region das Wasser abgraben. Das Umweltmagazin natur berichtet, dass Tesla einen Bedarf von 1,4 Millionen Kulbikmetern Wasser hat. Das entspricht dem, was eine 40.000 Einwohner-Stadt braucht. Und das ist nur der Bedarf der ersten Ausbaustufe des Industrieparks, welchen Tesla ohne Genehmigung in den Sand gesetzt hat. Der Energieerzeuger RWE schluckt für seine Braunkohle-Tagebaue sogar knapp 500 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr. Und da sollen Bauern ihre Felder nicht bewässern dürfen?

Faire Wassernutzung bedeutet faire Preise

Der erste Schritt wäre eine faire Bewertung. Klar, auch die Industrie kann nicht ohne Wasser arbeiten. Aber während Landwirte in die Wassersparbüchse einzahlen, nehmen Unternehmen wie Tesla oder RWE nur. Landwirte zahlen im Schnitt 2,50 pro Kubikmeter. RWE zum Vergleich laut Correctiv fünf Cent.

Keine Frage: Es ist wichtig, dass alle sorgsam mit der Ressource Wasser umgehen. Landwirte genauso wie Privathaushalte oder die Industrie. Aber das Verschleudern von Wasser durch Staat und Kommunen muss ein Ende haben. Zudem sollte die Leistung der Land- und Forstwirtschaft bei der Bereitstellung des Wasser angemessen honoriert werden. Oder - man wird ja bescheiden - gewürdigt.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...